Das Leben des Müllers
Entwurf der Übersetzung, noch nicht geprüft.
Handwerk und Titel
Das Müllerhandwerk war ein geregeltes Gewerbe, mit Lehre, Gesellenjahren und Aufnahme als Meister. Die Titel Müllermeister und Mühlenmeister verzeichnen eine Qualifikation und einen Rang, nicht nur Arbeit. Die Fähigkeiten eines Müllers gingen weit über das Mahlen hinaus, zum Getriebe, zum Schärfen der Mühlsteine und zum Bau von Wehren und Gerinnen, was ihn eher zu einem Mühlenbauer als zu einem Krämer machte. Ab 1864 wurde Mühlenbau an der Baugewerkschule in Holzminden gelehrt, der Kreisstadt dieser Familie.
Die Titel sagen Verschiedenes. Erbenzinsmüller verzeichnet die Besitzform; Müllermeister den handwerklichen Rang; Mittelmüller die Lage am Bach; Pächter einen Pachtvertrag. Jedes Mal, wenn ein Schreiber einen wählte, sagte er etwas Bestimmtes, auch wenn er im nächsten Jahr anders wählte. Der Begriff Kunstmühle, für eine Mühle an der technischen Spitze, gehört ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts, als Walzenstühle die Mühlsteine und Turbinen und Dampf die Wasserräder ersetzten. Ein 1832 geschriebener Titel kann daher nicht den Betreiber einer Walzenmühle meinen. Titel konnten auch lose verwendet werden, ohne dass sich die Stellung eines Mannes änderte, sodass ein Titelwechsel zwischen zwei Einträgen für sich genommen nicht bedeutet, dass sich sein Leben geändert hatte. Die Kirchbraker Taufen von 1840 und vom März 1842 nennen denselben Mann beide Mühlenpächter, an derselben Mühle.
Staub
Das Müllerhandwerk ist ein staubiges Gewerbe, und seine Gefahren wurden beschrieben, während diese Familie es ausübte. Bernardino Ramazzinis Buch über die Krankheiten der Arbeiter, 1700 in Padua erschienen und 1713 erweitert, begründete die Lehre von den Berufskrankheiten. Zwei seiner Kapitel betreffen Mühlen, eines über Bäcker und Müller und eines über die Sieber und Messer des Getreides. Im zweiten beschrieb Ramazzini einen sehr feinen Staub, den gelagertes Getreide abgibt, und bei den Männern, die darin arbeiteten, trockenen Husten, Auszehrung, Asthma und Wassersucht. Das gilt gewöhnlich als die erste medizinische Beschreibung einer berufsbedingten Lungenkrankheit. Er machte „kleine Würmer“ verantwortlich, zu winzig, um sie zu sehen, dem Weizenstaub beigemischt, was der Wahrheit näher kommt, als es klingt, denn Getreidestaub trägt Milben, Schimmelsporen und Bakterien. Sein Kapitel über Bäcker und Müller vermerkt auch, dass Getreidemüller gewöhnlich taub wurden, und empfiehlt Ohrstöpsel.
Die moderne Medizin bestätigt die Gefahr. Mehl- und Getreidestaub reizt die Lunge und kann Arbeiter dagegen allergisch machen. Seine bekannten Wirkungen reichen von Heuschnupfen und berufsbedingtem Asthma (Mehlstaub ist im Vereinigten Königreich eine der häufigsten Ursachen) über Getreidefieber und chronische Bronchitis bis zu entzündeten und vernarbten Lungen und dauerhafter Atemnot. Bakterielle Gifte im Staub gelten als Hauptursache eines großen Teils der Atemwegsschäden. Rauchen ist nicht die Erklärung: Getreidearbeiter, die nie geraucht hatten, zeigen weit mehr chronische Bronchitis als andere und messbar schwächere Atmung.
Für eine Müllerfamilie war der Staub zu Hause wie bei der Arbeit. Ein Müller fuhr nicht zum Staub; er lebte darin. Das Mühlenhaus war das Heim der Familie, das Getreide lagerte über und neben den Wohnräumen, und seine Frau und Kinder waren an jedem Arbeitstag im Gebäude. Das Absacken des Mehls, das Schärfen der Steine und das Reinigen des Siebwerks waren die staubigsten Arbeiten in der Mühle, und der Haushalt erledigte sie. Am schlimmsten war der Staub nach der Ernte und bei Getreide, das feucht oder lange gelagert worden war.
Ein Tod daran erreichte das Register als ein Brustwort. Der Pastor schrieb, was die Familie oder ein Arzt ihm sagte, in den Worten seiner Zeit: Brustbeschwerden, Asthma, Auszehrung, Lungenkrankheit, Wassersucht. Ramazzinis vier Symptome entsprechen vier Wörtern, die ein braunschweigischer Schreiber zur Hand hatte. Die Staubkrankheit eines Müllers würde mit denselben Wörtern aufgeschrieben wie Tuberkulose, Herzversagen, Emphysem oder Lungenentzündung und wäre auf dem Papier nicht von ihnen zu unterscheiden. Die Tuberkulose allein verursachte in Teilen des 18. und 19. Jahrhunderts bis zu ein Viertel aller Todesfälle in Europa, und in Westeuropa erreichte sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. In einer Familie jener Zeit sind mehrere Brusttode das, was man erwarten würde. Der Abschnitt Familie Wesemann verzeichnet die Brustwörter in den Begräbnissen dieser Familie; ob die Mühle daran einen Anteil hatte, ist eine offene Frage.
Ansehen
Müller waren wohlhabend und zugleich ein wenig verdächtig. Nach dörflichen Maßstäben gehörte ein Müller mit einer Erbmühle oft zu den reicheren Männern der Pfarrei, und solche Mühlen blieben oft über Generationen in einer Familie. Er hatte mit dem Getreide anderer Leute zu tun, führte Rechnungen und verkehrte mit dem Amt. Doch dem Gewerbe haftete ein Makel an. Die Regionalgeschichte dieses Bezirks sagt rundheraus, das Müllerhandwerk habe als unehrlich gegolten. Die weitere Forschung ist vorsichtiger. Werner Danckerts klassische Liste der unehrlichen Gewerbe nennt die Müller und ist dafür kritisiert worden, ein loses Bündel von Vorurteilen als eine Rechtskategorie zu behandeln; Richard van Dülmen und der maßgebliche rechtsgeschichtliche Artikel behandeln Ehre und Unehre als regional verschieden und im Wandel. Die Sprichwörter über Müller sind gut belegt; tatsächliche rechtliche Nachteile waren eine andere Sache, und im 19. Jahrhundert waren sie verschwunden. Schon die Lage der Mühle sonderte den Müller ab. Eine Mühle steht am Wasser, meist außerhalb des Dorfes, manchmal mit eigenem Namen und eigenem Land, zu einer Pfarrei gehörig, in der sie nicht liegt.
Ein Erbe
In Nordwestdeutschland ging ein Hof ungeteilt an einen Erben, und eine Mühle lässt sich gar nicht teilen. Ein Sohn übernahm sie; die anderen nahmen eine Abfindung und gingen, durch Heirat in eine andere Mühle, in ein Handwerk, in die Tagelöhnerei oder über See. Von diesem Brauch geprägte Akten zeigen einen Sohn an der Mühle, unverheiratete Geschwister, die in mittlerem Alter noch im Haushalt sind, weil ihr Anteil zum Heiraten zu klein war, und jüngere Söhne, die an anderen Mühlen auftauchen. Müller heirateten auch Müllerstöchter. Ihre Welt waren die anderen Mühlen am selben Wasser, nicht die Höfe des eigenen Dorfes, sodass eine Braut, die als Tochter eines Müllermeisters aus einer anderen Pfarrei genannt wird, gewöhnlich auf die nächste Mühle und das nächste Register weist.
Das Ende der alten Ordnung
Braunschweig trat 1841 dem Deutschen Zollverein bei und verabschiedete 1854 eine Agrarreform. 1864, vier Jahre nach Georges Auswanderung, führte es die Gewerbefreiheit ein, die die alten Schranken dafür, wer ein Gewerbe ergreifen durfte, hinwegfegte und von einer Welle neuer Industrie gefolgt wurde. Mit der Gewerbefreiheit verlor der Mahlzwang seine Kraft: Ein Bauer konnte sein Getreide überallhin bringen, und jeder konnte eine Mühle bauen. Dann zogen die Maschinen weiter. Walzenstühle, mechanische Siebung und Dampf machten große Mühlen je Sack billiger, und Eisenbahnen brachten ihnen Getreide und Mehl. In den 1860er Jahren stand eine Dorfmühle etwas gegenüber, dem sie nicht gewachsen war. Diese Veränderungen kamen, nachdem die Wesemanns beide Mühlen verloren hatten; was immer das Müllerdasein der Familie beendete, es war nicht das Ende des Mahlzwangs.
Quellen
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- Ramazzini, Bernardino. De Morbis Artificum Diatriba. Padua, 1700; revised edition 1713. Translated by Wilmer Cave Wright as Diseases of Workers, Hafner, 1964. The relevant chapters are “Bakers and Millers” and “Sifters and Measurers of Grain.”
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