Die untere Lenne
Entwurf der Übersetzung, noch nicht geprüft.
Die Lenne entspringt am Holzberg bei Wangelnstedt-Linnenkamp und fließt an Oelkassen und Kirchbrak vorbei nach Linse. Dort mündet mitten im Dorf der Spüligbach, ihr größter Zufluss. Der Fluss schneidet dann durch die Lücke in den Hügeln, die Braunschweigische Pforte genannt wird, und fällt bei Thran in die Weser. Karl Steinackers Bestandsaufnahme des Kreises von 1907 vermerkt, dass die untere Lenne stark zum Antrieb von Säge- und Mahlmühlen genutzt wurde, drei Mühlen auf ihrem letzten Kilometer waren also typisch für den Abschnitt, nicht ungewöhnlich. Die Obermühle stand an der heutigen Mühlenstraße 2, die mittlere Mühle etwa 350 Meter darunter Im Krümpel und die Thranmühle etwa 550 Meter weiter unten. Bei diesen Abständen entschied der Damm jedes Müllers, ob das Rad über ihm sich drehen konnte, und genau das beschreiben die Prozesse.
Linse war ein alter Ort. Im frühen Mittelalter lag es im südlichen Tilithigau und erscheint in den Urkunden der Abtei Corvey als Linisi. Durch das spätere Mittelalter gehörte es zum Amt Hehlen der Herren von Homburg. Als die Homburger Linie 1409 ausstarb, fielen ihre Länder an Braunschweig. 1560 übertrugen die Herzöge Gut und Dorf Hehlen der Familie von der Schulenburg und 1576 auch den Gerichtsbezirk Hehlen, der Hehlen mit Daspe, Brökeln, Ovelgönne und Ernestinental umfasste. Die Schulenburgs hatten dort hohe und niedere Gerichtsbarkeit, doch das Amt Wickensen bestritt ihr Recht auf das Hochgericht. Diese alte Rivalität liegt unter den Prozessen der 1820er Jahre. Linse hatte auch einen Salzhof, den Vollrad von Mansfeld 1552 oder 1553 niederbrannte. 1590 hielt Konrad Wedemeyer, Obervogt auf dem Kaienberg, einen herzoglichen Hof in Linse, und 1699 wurde eine zinspflichtige Kötnerstelle in Linse ins Amtsregister eingetragen, eine Akte, die heute im Familienarchiv Wedemeyer liegt.
Das Dorf war klein. Die Kopfsteuerliste von 1678 zählt 14 Haushalte und 59 Personen in Linse gegenüber 38 Haushalten und 124 Personen in Halle, und die Dorfbeschreibungen von 1759 zählen 18 Hausstellen in Linse und 46 in Halle. 1753 gibt das Hallesche Kircheninventar Linse fünfzehn Feuerstellen. Die Pest von 1613 tötete 149 Menschen im Kirchspiel Halle, vier davon in Linse.
Das vollständigste frühe Bild stammt aus Johann Hassels und Karl Beges gedruckter Beschreibung des Herzogtums von 1803. Linse war ein Tochterdorf von Halle, zweieinhalb Gehstunden von Wickensen, mit einer Kapelle, einer Schule, deren Lehrer vom Prediger und der Gemeinde gewählt wurde, 4 Halbspännerhöfen, 8 Kothöfen, 6 Brinksitzern und Anbauern, 21 Feuerstellen und 137 Einwohnern. Bausteine wurden an den Eckbergen gebrochen. „Die Lenne treibt zwei Mahlmühlen, jede mit einem Mahl- und einem Ölgang, von denen die eine von der Kammer auf Erbenzins vergeben ist, während die andere eine Erbmühle ist“. Halles eigene Mühle war in jenem Jahr die Klippmühle, eine Privatmühle mit einem Gang. Die Gehzeiten im gedruckten Text sind zweifelhafte Lesungen.
Auch die frühesten Amtsregister zählen die Linser Mühlen. Ein Register der Unteren Börde des Amtes Wickensen, katalogisiert als etwa 1545, ist das älteste Dokument, das einen Inhaber einer der beiden Mühlen nennen könnte, obwohl sein Katalogeintrag weder Linse noch eine Mühle erwähnt. Ein Register von etwa 1580 bis 1625, zusammengestellt vom Amtmann Johannes Henningius und von Dürre abgeschrieben, ist die Quelle hinter Robert Rustenbachs Zählung von 1903 von zwei hägerischen Erbmühlen in Linse. Unter den Franzosen 1811 und 1812 beschreiben die Schätzungs- und Grundsteuerrollen von Linse alle drei Mühlen: Ludwig Wesemanns Wassermühle mit zwei Gängen; Heinrich Brünigs Mühle mit einem Mahl- und einem Ölgang; und die Witwe Lüders in Thran mit einer Mühle von drei Gängen.
Was heute erhalten ist
Beide Linser Mühlenstandorte sind geschützte Denkmale, eingetragen am 1. April 1979. Der obere Standort ist ein Mühlengehöft mit zwei eingetragenen Gebäuden, beide Mühlenstraße 2: die Wassermühle selbst und eine Scheune. Der untere Standort, die Wesemann-Mühle, ist als Mühlenanlage eingetragen, deren einziges geschütztes Gebäude eine Scheune Im Krümpel 5 ist; die Gruppe ist nach Im Krümpel 20 benannt, einer Adresse ohne erhaltenes eingetragenes Bauwerk. Ein Haus Im Krümpel 1, etwa fünfzig Meter nördlich, ist ein eigenes Denkmal und nicht Teil der Mühle. Das Verzeichnis gibt für keinen Standort ein Baudatum oder eine Beschreibung und enthält kein Foto von einer der Mühlen. Von der Thranmühle ist gar nichts eingetragen.
Quellen
- Karl Steinacker, Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Holzminden, vol. 4 of Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig, ed. Paul Jonas Meier (Wolfenbüttel: Julius Zwissler, 1907). Digitized on the Internet Archive (bub_gb_q9MDAAAAYAAJ; diebauundkunstd00steigoog) and by the Bayerische Staatsbibliothek (urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066839-4); HTML transcription by Christian Kaese, Eschershausen, 2020, at kaese.name/Heimatgeschichte/1907_Denkmaeler/.
- Johann Georg Heinrich Hassel and Karl Friedrich Bege, Geographisch-statistische Beschreibung der Fürstenthümer Wolfenbüttel und Blankenburg, vol. 2, Topographie des Weserbezirks (Braunschweig, 1803), Linse and Thran entries, read in full: the Linse entry’s two Mahlmühlen on two tenures, one let on Erbenzins by the Chamber and one an Erbmühle; and the Thran entry’s Privatmühle of four gears, its 18½ Morgen, the Flotho Spedition of 1750, and the words nach Linse eingepfarrt. The manuscript collectanea behind it, Hassel’s Kollektaneen, gathered c. 1780, are at the Landschaftliche Bibliothek, Kapitel X, 2.
- “Linse (Bodenwerder),” Wikipedia, for the Corvey traditions and the form Linisi, the Amt Hehlen of the Edelherren von Homburg, the 1552/53 burning of the Salzhof, the Kanton Halle of 1809/10 and the 1897 consecration of the chapel.
- NLA HA, Dep. 25, B Nr. 467 (1699), the Zinskothof at Linse, von Wedemeyer family archive.
- Olaf März, Fließende Übergänge: Stadt – Flecken – Dorf im Braunschweiger Weserdistrikt in der Mitte des 18. Jahrhunderts (Diss. phil., Leibniz Universität Hannover, 2016; DOI 10.15488/8737): pp. 60–64 (what a village description contains), p. 91 and note 983 (the toll in the Herren Mühle at Linse, 1759), pp. 355–361 (the Tran and the Floto family), the source list of the Dorf-, Feld- und Wiesenbeschreibungen, and the appendix tables (the head-tax list of 1678 and the village descriptions of 1759 for Linse and Halle).
- Halle Corpus bonorum of 1753 (Archion 364116), Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Archion online viewer: Bild 87, p. 127 (“Aus Linse, Rocken”), Bild 89, p. 131, and Bild 90, p. 133 (the hearths).
- Halle Kirchenbuch “Beerdigungen 1585–1734” (churchRegister 390642), Kirchenkreis Bodenwerder, Archion online viewer: Bild 33 (the Kersten burial of July 1595), Bild 36 and 65 (the Möller household, 1596 and 1605), Bild 56 (1599), Bild 73 (the plague of 1613), Bild 75–76 (1616), Bild 192 (24 October 1727, the Erbmüller Johan Knüll) and Bild 196 (7 December 1729, the Mittelmüller Christian Sander’s wife).
- NLA WO, 19 Alt, Nr. 214, Erbregister der Nieder-Börde des Amtes Wickensen, c. 1545.
- NLA WO, 32 Slg, Nr. 94, Dürre’s transcript of the Wickensen Erbregister, c. 1580–1625 (19th-c. copy at NLA WO, 193 N, Nr. 27).
- Robert Rustenbach, “Häger und Hägergerichte in den braunschweigischen Weserlanden,” Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen (1903), pp. 557–645. Transcribed at kaese.name/Heimatgeschichte/1903_Haeger/.
- Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel: NLA WO, 13 W Nr. 1690, Aufn. 045–046 (the valuation of the commune of Linse, 6 December 1811), and 13 W Nr. 1747, Aufn. 0284–0287 (the land-tax roll of the Canton Eschershausen, 1812, Commune Linse), Arcinsys online viewer.
- Denkmalatlas Niedersachsen and its INSPIRE data interface, CC BY-SA 4.0, heritage register entries for the Mühlenstraße 2 (system-ID 61253076) and Im Krümpel (system-ID 61253077) sites.