Georg Ludewig Wesemann und Justine Marie Küster, 1803 bis 1855
Entwurf der Übersetzung, noch nicht geprüft.
Der zweite Müller und seine Familie
Georg Ludewig Wesemann wurde am 23. Juni 1777 in Linse geboren und am 26. als „George Ludewig“ getauft, Sohn des Johann Heinrich Wesemann und der Christine Kampen. Sein eigener Sterbeeintrag, achtundsiebzig Jahre später, gibt seine Geburt mit dem 23. Juni 1777 an, was auf den Tag zur Taufe passt und die beiden Generationen verbindet. Vier spätere Einträge nennen ihn als Vater: die Heirat seines Sohnes Heinrich Christian Ludewig 1832, die Heirat seiner Tochter Dorothea Luise 1846 und die Todesfälle seiner unverheirateten Tochter Carolina Ernestine Luise 1858 und seines unverheirateten Sohnes Heinrich Wilhelm 1861. Als junger Mann war er möglicherweise der „Ludewig Wesemann“, der am 30. November 1794 in Linse Pate einer Tochter des Schneiders Ludewig Meier war, damals 17 Jahre alt.
Er übernahm die Mittelmühle binnen zwei Jahren nach dem Tod seines Vaters. 1803, am einundzwanzigsten Sonntag nach Trinitatis, wahrscheinlich dem 30. Oktober, vermerkte das Hallesche Register seine Heirat als „der Junggeselle Ludewig Wesemann, Müllermeister in Linse“, mit „Jungfer Justine Marie Küster, ehelicher Tochter des Johann Ludwig Küster, weiland Müllermeisters in Delligsen“. Das Aufgebot wurde einmal in Halle und zweimal in Delligsen verlesen, dem Kirchspiel der Braut, wo die Hochzeit stattfand; der Hallesche Eintrag gibt den Hochzeitstag nicht an.
Er hielt die Mittelmühle durch die 1830er Jahre auf Erbenzins. Als die Franzosen den Bezirk als Teil des Königreichs Westphalen regierten, trug die Schätzung der Gemeinde Linse vom 6. Dezember 1811 „Ludwig Wesemann“ als Brinksitzer ein, Hausnummer 20 in der Brandversicherung, mit einer Wassermühle von zwei Gängen und einem Garten von 1 Morgen 40 Ruthen. Neben ihm hatte Heinrich Brünig einen Mahl- und einen Ölgang und die Witwe Lüders in Thran eine Mühle von drei Gängen. Die Grundsteuerrolle von 1812 gab ihm 2 Morgen 70 Ruthen Ackerland, den Garten und „1 Mühle mit 2 Gängen“, mit einem Ertrag von 75,09 Franken bewertet und mit 15,02 Franken besteuert; die ganze Gemeinde zahlte 1.025,34 Franken. Die Kirchenbücher nennen ihn Eintrag um Eintrag den Müller in Linse. Er war wahrscheinlich der „Ludewig Wisemann, Linse“, der am 8. August 1810 in Halle Pate bei der Taufe einer Tochter des Vollmeiers Christoph Hardestmark[?] war. Ab 1832 nennen ihn die Schreiber Maschinenmüller, ein Titel, der im Abschnitt Die deutschen Mühlen erklärt wird.
Justine Marie Küster wurde etwa 1780 bis 1782 in oder bei Delligsen geboren, einem braunschweigischen Dorf. Ihre Altersangaben in den Registern ergeben ein Geburtsjahr statt eines Datums: Sie war 25 im Dezember 1805, 27 im August 1808, 32 im Juni 1814 und 38 im Jahr 1817. Ihre Vornamen werden auch Marie Justine und einmal Anna Marie geschrieben.
Justine Marie war wahrscheinlich die „Ehefrau des Müllers Wesemann aus Linse“, die am 20. November 1813 Patin einer Tochter des Johann Heinrich Brünig aus Linse war. Sie starb am 9. Juni 1835 abends in Linse an Auszehrung, etwa fünfzig Jahre alt, und wurde still begraben.
Georg Ludewig und Justine Marie hatten neun Kinder in Linse. Das Hallesche Register enthält die Taufen bis 1814 und Linses eigenes Buch die ab 1815.
| Kind | Geburt | Tod | Verheiratet |
|---|---|---|---|
| Johann Heinrich Conrad | etwa September oder Oktober 1804; getauft 27. Oktober | 25. Dezember 1804, an Kinnbackenkrampf(?), 3 Monate alt | |
| Heinrich Christian Ludewig | 22. Dezember 1805; getauft 29. Dezember | Johanne Caroline Wilhelmine Brand, 16. Juli 1832 | |
| Heinrich Wilhelm | 8. August 1808; getauft 11. August | 3. Juni 1861, Linse, an Nervenfieber, 52 Jahre alt | unverheiratet |
| Ernst Ludewig Georg | 8. Juli 1811 | 4. Dezember 1815, Linse, etwa 4½ Jahre alt (wahrscheinlich) | |
| Georg Heinrich Ernst | 30. Juni 1814; getauft 10. Juli | ||
| Dorothea Luise Friederike | 23. Februar 1817; getauft 9. März | 12. Mai 1886, Linse | Heinrich Friedrich Christian Brand, 24. Juni 1846 |
| eine Tochter, ungetauft | 1817 | 1817, an Brustfieber, 8 Tage alt | |
| Carolina Ernestine Luise | 25. Januar 1820 | 18. März 1858, Linse, an Schwindsucht, 38 Jahre alt | unverheiratet |
| Christiane Friederike Minna, genannt Luise | 28. Februar 1823 | Ernst Georg Heinrich Leßing, 21. Oktober 1858 |
Der erste Sohn lebte nur drei Monate. Am 25. Dezember 1804 schrieb der Schreiber, dass „ein Sohn des Mittelmüllers Ludewig Wesemann an Kinnbackenkrampf(?) starb, 3 Monate alt“. Er war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Johann Heinrich Conrad, getauft am 27. Oktober, mehr als einen Monat nach seiner Geburt, mit „dem Müller Küster“ aus Delligsen und „der Witwe Wesemann aus Linse“ unter seinen Paten. Das Begräbnis ist der früheste Eintrag, der Georg Ludewig Mittelmüller nennt.
Der zweite Sohn, Heinrich Christian Ludewig, war Georges Vater; sein Leben wird unten erzählt.
Heinrich Wilhelms Paten 1808 waren Heinrich Christoph Brand und Ludewig Brünig, beide aus Bodenwerder. Er war wahrscheinlich der „Wilhelm Wesemann, Müllergeselle aus Linse“, der 1840 in Kirchbrak Pate der Tochter seines Bruders stand. Er heiratete nie und starb in Linse.
Ernst Ludewig Georgs Taufe 1811 brachte Paten von beiden Seiten: „N. Pagendarm aus Grünan(?)“ und seinen Onkel Ernst Wesemann aus Bodenwerder. „Grünan“ ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Grünenplan, eine 1744 gegründete braunschweigische Spiegelglashüttensiedlung, heute einer von sechs Ortsteilen von Delligsen, etwa 25 Kilometer von Linse nahe dem Heimatbezirk der Mutter. Unter den Franzosen lag Grünenplan im Kanton Delligsen und Linse im Kanton Halle, beide im Königreich Westphalen, damals lag also keine Grenze zwischen ihnen. Die auswärtigen Paten kamen wahrscheinlich von der Mutterseite, aus Grünenplan, und aus Bodenwerder. Ein Sohn des Paares starb am 4. Dezember 1815 um neun Uhr abends in Linse, „vier [und ein halbes(?)]“ Jahre alt, seine Vornamen als Heinrich Georg Ludewig geschrieben. Er war wahrscheinlich Ernst Ludewig Georg: Zwei der drei Vornamen stimmen überein, und der einzige andere Sohn in diesem Alter war achtzehn Monate alt.
Georg Heinrich Ernst, 1814 geboren, hatte als Paten Heinrich Christoph Küster aus Delligsen; Georg Ludewig Süders(?), einen als Zimmer-Müller eingetragenen Müller; seinen Onkel Ernst Wesemann aus Bodenwerder, zum zweiten Mal für dieses Paar stehend; und Justine Wienig(?) aus Bevern(?). Er erscheint nirgends in den späteren Einträgen als Erwachsener.
Dorothea Luise Friederike wurde am 9. März 1817 in Halle als „Justine Louise Friederike“ getauft. Ihre Paten waren der Müllermeister Anton(?) Friedrich Halbrodt von der Linser Obermühle; Christian Hasenjäger(?), Müllermeister in Bergfelden(?); ihre Tante Caroline Louise, Witwe des Gerbers Brand aus Bodenwerder; und Amalie Lüders, geb. Küster. Sie war die „Dorothea Waßmann, Maschinenmüllerstochter“, die um 1835 oder 1836 in Linse Patin war. Ihr späteres Leben wird unter „Die zurückgebliebene Familie“ erzählt.
Carolina Ernestine Luise war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die 1819 oder 1820 getaufte „Carolina Louisa“. Christiane Friederike Minna war ihr Leben lang als Luise bekannt. Sie war die „Luise Waßemann, Maschinenmüllerstochter“, die 1838 in Linse neben Wilhelmine Halbrodt Patin stand, und die „Jungfer Luisa Wasmann aus Linse“ von 1847 und 1848, noch unverheiratet.
Einige weitere aus dem Haushalt erscheinen nur als Paten. Ein Wilhelm, „Maschinenmüllerssohn“, stand 1832 und war 1834 Gastwirt in Lüerspring[?]. Friedrich Ludwig, nur „Maschinenmüllerssohn“ genannt, ohne Nachnamen, stand bei einer Halleschen Taufe am 19. Dezember 1838; ein Schreiber, der einen Mann allein nach dem Gewerbe seines Vaters benannte, setzt einen einzigen Maschinenmüllerhaushalt im Kirchspiel voraus. Eine „Louisa, geb. Wesemann“, Patin 1819 oder 1820, war eine verheiratete Tochter des Hauses aus der Generation vor jenem Kind. Der „Wilhelm Wesemann, Junggeselle“ aus Linse von 1823 war ein erwachsener Mann, als Heinrich Wilhelm fünfzehn war, und war wahrscheinlich jemand anderes. Keiner von ihnen lässt sich einordnen.
Zwei Räder und dann keines
Die 1830er Jahre waren die stärksten Jahre der Familie an den Mühlen. Georg Ludewig hielt die Mittelmühle auf Erbenzins, und ab 1832 hielt sein Sohn Heinrich Christian Ludewig die Pacht der Thranmühle darunter: zwei der drei Räder an der unteren Lenne in einer Familie. Georg Ludewig, „Müllermeister Ludewig Wesemann aus Linse“, ging im Februar 1836 nach Kemnade, um Pate seines Enkels Wilhelm Christian Ludewig zu stehen.
Hinter den Mühlen trug die Familie jedoch Schulden. 1814 kaufte Ludewig Wesemann vom Bäcker Weferling Land in der Bodenwerder Feldmark für 174 Reichstaler und bezahlte es nie. 1822 verpfändete er vierzehn Parzellen, jene darunter, für ein Darlehen von 700 Reichstalern vom Vormund der minderjährigen Kinder des Kaufmanns Grave, und 1838 behandelte ihn der Bodenwerder Stadtrat als Partei eines verheimlichten Verkaufs. 1828 war der Preis von 2.000 Talern für die Bodenwerder Mühle seines Bruders zu einer stehenden Schuld geworden, mit einem Zwangsverkauf in der Diskussion. 1831 verklagten die Schomburgschen Erben aus Hameln „den Müller Wesemann aus Linse“ auf Zinsen für eine Schuld, die älter war als die Klage. Keiner dieser Einträge gibt einen Grund für das, was folgte. Zusammen passen sie zu einem Haushalt unter finanziellem Druck in den zwanzig Jahren, bevor er beide Räder verlor; dass sie den Verlust verursachten, ist nur eine Theorie.
Die Verluste kamen schnell. Der Haushalt war im Juli 1838 noch in Thran, doch im September 1840 pachtete Heinrich Christian Ludewig eine Mühle in Kirchbrak, elf Kilometer flussaufwärts. Am 7. Februar 1841 wurde Wilhelm Fischer, als Müllermeister in Linse eingetragen, dort eine Tochter geboren. Die Wesemanns gaben die Mittelmühle irgendwann zwischen etwa 1840 und 1855 auf, wahrscheinlich früh in dieser Spanne, und kein Eintrag sagt, an wen oder warum. Georg Ludewig war im Juni 1846 noch Maschinenmüller in Linse, als seine Tochter Dorothea heiratete. 1852 war sein Sohn ein landloser Häusling in Linse.
Georg Ludewig Wesemann starb am 29. Dezember 1855 um fünf Uhr morgens in Linse an einem Brustschaden und wurde am 1. Januar 1856 still begraben. Der Schreiber schrieb ihn als „weiland Müllermeister der Mittelmühle zu Linse“. Diese Worte nennen die Mühle der Familie und zeigen, dass er sie nicht mehr hielt.
Quellen
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- Halle Kirchenbuch “Taufen Beerdigungen 1800–1814” (04-03075, churchRegister 390649, 188 images) and “Trauungen 1800–1808” (04-03076, churchRegister 390650), Kirchenkreis Bodenwerder, Archion online viewer. Also: Trauungen, Jg. 1804, Nr. 3 (Brand–Sporleder); Begrabene, Jg. 1803, Nr. 36 (Bild 167, written p. 310, the Brünig child) and Jg. 1800, Nr. 24 (Johanne Marie Brand); Begrabene, Jg. 1804, Nr. 27 (Bild 170, the Mittelmüller infant); Taufen, Jg. 1805, Nr. 21, Jg. 1809, Nrs. 16 and 17 (Bild 96, written p. 187), Jg. 1810, Nr. 36 (Bild 110), Jg. 1812, Nr. 20 and Jg. 1813, Nr. 36. The volume has no surname index of its own; images 185 to 188 run to an Ende marker. Also Begrabene, Jg. 1805, Bild 172, Nr. 18 (the Leibzüchter Johann Heinrich Waßmann, 29 November 1805, aged 76). Also: Trauungen 1800–1808, Bilder 3–20 (every entry), Bild 14, p. 22, entry 1 (the 1803 marriage of Ludewig Wesemann and Justine Marie Küster) and Bild 18, p. 31, entry 5 (the 1807 marriage of Friedrich Wilhelm Brand and Caroline Louise Wesemann); Taufen, Bild 87 (1808), Bild 109, no. 33 (8 August 1810) and Bild 143, no. 31 (20 November 1813). Also: Trauungen 1800–1808 (390650), 1804 no. 3; Begrabene, Bild 167, 1803 no. 35 (Georg Ludwig Sporleder); Taufen, Bild 100 (1810 nos. 1 and 2) and Bild 129 (1812 no. 20); the baptisms of August 1809 – 1814 (about Bild 94–152).
- Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel: NLA WO, 13 W Nr. 1690, Aufn. 045–046 (the valuation of the commune of Linse, 6 December 1811), and 13 W Nr. 1747, Aufn. 0282–0287 (the land-tax roll of the Canton Eschershausen, 1812, Commune Linse), Arcinsys online viewer.
- Kirchbrak Kirchenbuch, Kirchenkreis Bodenwerder, Archion online viewer. The Kirchbrak Mills memorandum names Archion 390703 as the Kirchbrak register searched. The 1840 and 1842 baptisms stand in Kirchbrak Kirchenbuch 1831–1848 (churchRegister 390709): Bild 53, no. 14 (18 October 1840) and Bild 59, no. 11 (24 March 1842), both re-read on enlarged crops; also Bild 60–65 and 65–94 (the births of 1843–1848) and Bild 163–171 (the burials of 1847 from no. 15 and of 1848), with the alphabetical burial register, Bild 182–183. Kirchbrak Kirchenbuch 1849–1863 (churchRegister 390710): the births of 1849 – January 1852 (Bild 4–25) and the alphabetical burial register (Bild 172), with Bild 143 and 152. Kirchbrak Kirchenbuch 1862–1875 (churchRegister 390711): the alphabetical burial register (Bild 199), with Bild 172. The marriages of 1853–1875 in 390710 and 390711, every entry.
- Kemnade, Kirchenbücher (Taufen) 1815–1843, 1838–1842 and 1843–1868, Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder, Archion online viewer. Read and transcribed 11–12 September 2026. Yielded the baptism of Georg Wilhelm Ehrenfried Wesemann (1838, Bild 5, Nr. 9), the two older siblings of 1833 and 1836, the Brand and Wesemann sponsors from Linse, and the 1863 pastoral correction signed by Berkenbusch. Also Kemnade Kirchenbuch 1843–1868 (churchRegister 390699): the births of 1843–1851 (Bild 4 to about 46); the burials of 1852–1868, form IV, Bild 195–224, with Bild 214 (1863 no. 3, written p. 480); the alphabetical register, Bild 223–242. Also Kemnade Kirchenbuch 1815–1843 (churchRegister 390697): the burials of 1834–1836 (Bild 150–151).
- NLA HA, Hann. 80 Hannover, Nr. 14011, read at item level, September 2026.
- NLA HA, Hann. 80 Hannover, Nr. 13997, read at item level, September 2026. Cited from the transcript of the whole file: pp. 132–133 (the contract of 6 October 1807 and the outgoing tenant Dempewulff), p. 164 (the signature of 23 December 1807), p. 293 (the sub-lease to Heinrich Kenzer), pp. 304–306 (the ledger of 1824–1825 headed “in Hameln”), pp. 313–315 (the forced-sale warning of 1828) and the later holders Ficker (1826), Bedecker (1838) and Bunge (1839).
- NLA WO, 30 Neu, Fb. 5 S 679 (1831), the Schomburg heirs, millers of Hameln, v. the miller Wesemann of Linse, for a claim of interest.